Posts mit dem Label Andreas Gryphius werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Andreas Gryphius werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 10. Januar 2010

FORTIS UT MORS DELECTIO

Auff seine und seiner Ehegeliebten Vermählung
von
Andreas Gryphius


Reine Lieb ists / die nichts zwinget /
Ob der Erden Abgrund kracht;
Ob durch schwartze Lüffte dringet
Der entbranten Stralen-Macht.
Keiner Thaten Wunder-Wercke
Dampfen treuer Liebe Stärcke.

Spannt der Tod schon seinen Bogen /
Stecjt er Trauer-Fackeln an!
Sie hat ihre Sehn gezogen /
der nichts wiederstehen kan.
Jhre Glut brennt / wenn wir Erden
Und zur Handvoll Aschen werden.

Wenn die Helle sich erschüttert
Und mit Ach! und Folter schreckt /
Und der Aengsten Angst sich wüttert
Wird ihr Eyver mehr entsteckt.
Lieb ist nichts / denn Glut und Flammen /
Wie Gott Licht und Feur zusammen.

Lasst die stolzen Wellen toben /
Schäumt ihr Meere! braust und schmeist
Wenn der strenge Nord von oben
Jn deß Saltzes Täuff einreist:
Wird doch Wind und Wassers kämpffen /
Nicht den Brand der Liebe dämpffen.

Lieb ist / der nichts gleich zu schätzen /
Wenn man alles Gold der Welt
Gleich wolt' auff die Wage setzen:
Lieb ist / die den Außschlag hält /
Lieb ist trotz der Silber-Hauffen /
Nur durch Liebe zu erkaufen